Warum erzählt ihr keine Fluchtgeschichten?

Was haben diese Männer und Frauen erlebt? Warum sind sie überhaupt geflohen? Wie sieht ihr Leben nach der Flucht aus? Meist sind es diese und ähnliche Fragen, die Menschen sich in der Begegnung mit Flüchtlingen stellen.
Wir selbst verzichten auf diese Fragen, wenn wir den jungen Männern aus Neckarhausen und Neckarsteinach begegnen. Denn wir sind der Überzeugung, dass diese tiefen und ganz persönlichen Erlebnisse nur dann Raum haben sollten, wenn der Mensch, der Flüchtling, selbst dazu bereit ist, davon zu reden. Die Flucht ist meist ein traumatisches Erlebnis und auf Traumata regiert jeder Mensch anders. Der eine erzählt, früher oder später darüber, der andere wird darüber selten oder gar nicht reden. Verdrängen ist auch eine legitime Reaktion auf die Flucht und ein Schutz, um die Seele und das Leben stabil zu halten. Um Traumata zu erkennen und damit zu arbeiten, braucht es unbedingt ein spezielle Ausbildung. Auch daher halten wir es für gut, wenn man die jungen Männer nicht öffentlich davon erzählen lässt. Denn man weiß nicht, was diese Erzählungen beim Berichtenden als auch bei anderen Zuhörern auslöst und welche Folgen es hat.
Daher denken wir: Wenn jemand über seine Flucht erzählen mag, dann soll er es zu dem Zeitpunkt tun, den er selbst bestimmt und mit den Menschen, die er sich selbst wählt. Diese Momente sind dann besonders kostbar für alle Beteiligten.
In den Vorbereitungen auf den Begegnungsabend wurde klar, dass die jungen Männer in diesem Rahmen nicht über ihre Flucht erzählen wollen. Dafür haben sie erzählt, was ihnen wichtig war: Über die Schönheit und Besonderheit ihrer Länder um uns damit einen Einblick zu geben, den man nur selten bekommt.
Wir verstehen das Bedürfnis vieler Menschen mehr über Flüchtlinge und ihre Geschichte zu erfahren und empfehlen an dieser Stelle einige Materialien zum Thema Flucht.

Buch:
Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn: Vier Jahre auf der Flucht nach Deutschland. Aufgeschrieben von Marianne Moesle

Kurzfilme:
Eine Homepage mit Kurzfilmen zum Thema Flucht.
Gesichter der Flucht: http://www.unhcr.at/service/bildungsmaterialien/gesichter-der-flucht.html

Informationsveranstaltungen:
Die Organisation „Open Doors“ bietet regelmäßig, auch in der Region, Informationsveranstaltungen an. Homepage: https://www.opendoors.de

Begegnungsabend in Darsberg war ein voller Erfolg

Am Anfang dachten wir, wenn um die 20 Bürger an dem Abend teilnehmen würde, dann wäre es schön. Der Ansturm im Nachhinein überwältigte uns. Wir mussten sogar leider einigen Interessenten absagen, weil wir keinen Platz mehr hatten. Es war ein toller Abend mit 55 Teilnehmern. Die jungen Männer aus Neckarhausen hatten den Abend prima vorbereitet und viel Spaß beim Kochen gehabt. Das Buffet war überwältigend durch all die mitgebrachten Speisen und an den Tischen wurden rege Gespräche geführt. Die ausgewählten Texte von Yvonne Weber und die Grußworte von Herold Pfeifer rundeten das Programm des Abends ab, zu dem Texte von Yvonne Weber, Länderpräsentationen mit typischer Musik und ein Ländervergleich gehörten. Fremd sein und Heimat finden, dies Thema brachte Yvonne Weber in ihrer Auswahl an Texten auf den Punkt. Heimat finden funktioniert nur, wenn der „Fremde“ und der „Heimische“ aufeinander zugehen. Herold Pfeifer sprach davon, dass hier zum Glück nur sein Magen brennt (Anm.: Die Speisen aus Eritrea und Somalia waren sehr würzig) und nicht die Hütten, wie in manch anderen Regionen.

Wir möchten auch Danke sagen:
Wir danken allen fleißigen Händen, die Speisen vorbereitet und mitgebracht und Waffeln an dem Abend gebacken haben, sich um die Technik gekümmert haben, beim Auf- Abbau und Abwasch geholfen haben und vieles mehr. Erst dadurch ist dieser Abend wunderbar geworden. Ein besonderer Dank gilt Ralf Edelmann und Holger Ludwig in Vertretung für den Ortsbeirat in Darsberg und der Gerda Emmerich sowie Heinz-Bernd Gramlich für die Neuapostolische Kirche, durch die dieser Abend erst zustande gekommen ist und die sich viel Zeit genommen haben, um diesen Abend der Begegnung zu einem denkwürdigen Abend werden zu lassen. An Herold Pfeifer und Yvonne Weber für ihre treffenden Worte.
Vielen Dank an Sie alle, die Sie an diesem Abend teilgenommen haben und damit einmal mehr den jungen Männern aus Somalia, Eritrea, dem Iran und Syrien gezeigt haben: „Ihr seid willkommen. Wir freuen uns über euch.“

Besonders stolz sind wir auf unsere jungen Männern. Sie haben ihre Länderpräsentationen selbst vorbereitet und an dem Abend in Deutsch gehalten. Sie standen stundenlang in der Küche um die Speisen ihrer Länder vorzubereiten. Jungs, ihr wart klasse und den Applaus habt ihr euch verdient für euren Mut und euren Einsatz. Sharmarke, Ali, Jossi, Mekere, Adhanom, Biniam, Mahamud, Amir, Tesfit, Mekere, Habakur, Sandrias, Desbele, Mamud und Temesgen, es ist eine Freude euch zu kennen.

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Anmerkung zum Programm des Abends:
Wir haben wahrgenommen, dass manche Besucher an diesem Abend auch Geschichten über die Flucht erwartet hatten.
Warum wir das Thema Flucht an diesem Abend ausgeklammert haben, darauf gehen wir in einem gesonderten Artkel ein.

Projekt Jobsforyourfuture 2015 am Start

Am 11. Mai 2015 startete das Projekt Jobsforyourfuture 2015 der Hotelfachschule Heidelberg: Hofa-Studierende – gelernte Köche, Hotel- und Restaurantfachleute – haben ein Konzept entwickelt, um ihr berufliches Wissen an Flüchtlinge weiterzugeben. Fünf junge Männer aus der Gemeinschaftsunterkunft in Neckarsteinach-Neckarhausen haben sich gleich am 11. Mai zum Get-together auf den Weg nach Heidelberg gemacht und am 13. Mai engagiert am ersten Seminar „Sprache und Kultur der Gastlichkeit“ teilgenommen.

Für die 15 Hofa-Studierenden ist das Projekt eine wichtige praktische Erfahrung in „Diversity Management“, werden sie doch alle als künftige Führungskräfte mit für die Gastronomie typischen interkulturellen Teams arbeiten. Für die jungen Männer aus Neckarhausen sind die Seminare eine Gelegenheit, Menschen aus vielen Ländern – von Nigeria und Gambia über Algerien, Irak und Iran bis Afghanistan – kennen zu lernen und mit gleichaltrigen Deutschen Kontakte zu knüpfen. Im Projekt lernen sie, freundlich und service-orientiert auf Gäste zuzugehen, und sie erwerben gastronomische Grundfertigkeiten.

Am 18. Mai geht es weiter: Dann stehen Schnitttechniken in der Küche, professionelle Arbeitsvorbereitung (mise en place) und das gemeinsame Essen der zubereiteten Leckereien auf dem Programm.

Uschi Hummel